Barista Royal und das Fairtrade-Siegel

Barista Royal und das Fairtrade-Siegel

Der Fairtrade-Gedanke ist absolut lobenswert und darauf ausgerichtet, gerechte Bedingungen in den Ursprungsländern zu schaffen. Bezogen auf Kaffee, sollen damit der Anbau, die Ernte, die Verarbeitung und die Lebensverhältnisse der Bauern insgesamt verbessert werden. So weit, so gut. Und dennoch haben wir von Barista Royal uns gegen ein entsprechendes Siegel entschieden. Warum dieser Entschluss gefallen ist und was unser Konzept von dem der besagten Zertifikate abhebt – darüber klären wir Dich hier auf.

Bei Fairtrade gilt es, genauer hinzusehen

In den vergangenen Jahren ließen sich vermehrt Medienberichte finden (ZEIT online, The Guardian, Huffpost), in denen Kritik an Produkten mit dem Fairtrade Gütesiegel geäußert wurde. Als Grundlage dafür dienten unter anderem wissenschaftliche Studien – so beispielsweise aus London, Harvard, Kalifornien oder auch der Universität in Wisconsin. Gegenstand der Untersuchung waren die Wirkung der Gütesiegel in verschiedenen Regionen Zentralamerikas und Afrikas. Sie kamen überwiegend zu enttäuschenden Resultaten.

Problematisch an diesen Siegeln ist, dass es keinen wirklichen Maßstab gibt, der die mit dem Gütesiegel verbundenen Aussagen überprüft. Verglichen mit Bio-Zertifikaten, existieren keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche verbindlich vorgeben, wie hoch der Anteil an fairen Zutaten bei einem Produkt sein muss. Der Kunde geht vermutlich davon aus, dass er einen Artikel erwirbt, der vollständig fair gehandelt und fair hergestellt wurde. Der tatsächliche Anteil kann jedoch merklich geringer sein.

Das System ist ineffizient - Zeit.de

Bei den Untersuchungen zu Fairtrade-Siegeln kam es auch zu einem Blick auf die wirtschaftliche Situation der Bauern. Letztlich fiel dieses Ergebnis ebenso eher durchwachsen aus. Als kritisch sind die hohen Zertifizierungskosten zu betrachten. Der erhoffte Gewinn ist dadurch geschmälert oder es kommt zu einer Plus-Minus-Null-Rechnung. In wenigen Fällen war sogar ein rückläufiger Gewinn zu konstatieren.

Das bestätigt uns von Barista Royal in unserer Auffassung, dass Fair-Trade-Zertifikate nicht automatisch tatsächlich nachhaltige und faire Anbaubedingungen ermöglichen. Stattdessen arbeiten wir ausschließlich mit Röstereien zusammen, die als Mitglied der „Deutschen Röstergilde“ angehören. Dabei herrscht die Prämisse, dass die Kaffeebohnen direkt von Bauern bezogen werden, die unter fairen Arbeitsverhältnissen hohe Qualitätsstandards erbringen. Zudem verfolgen wir das Motto, dass die gerechten Bedingungen nicht an der Landesgrenze enden.

Social Coffee Roasters – fair, aber nicht nur im Ursprungsland

Viele Röstereien legen Wert darauf, dass der Kaffee unter fairen Bedingungen kultiviert und geerntet wurde. Selbstverständlich unterstützen wir diesen Grundsatz und haben ihn auch in unsere Philosophie implementiert – unser Ansatz geht jedoch weiter. Unser Motto lautet: „Soziales Engagement hört nicht an der Landesgrenze auf“. Wir lassen die Bohnen nur in Röstereien aufbereiten, in denen Menschen mit einer Behinderung beschäftigt sind und so in unsere Gesellschaft inkludiert werden.

Ein Handicap ist noch längst kein Grund, jemanden abzulehnen – im Gegenteil. Wir haben feststellen dürfen, dass gerade diese Menschen mit besonders viel Hingabe handeln und genauestens auf eine hohe Qualität achten. Wenngleich in der Öffentlichkeit häufig von einer diversen Gesellschaft und Inklusion die Rede ist, so wird dieser Grundsatz in der Realität leider viel zu selten gelebt. Unsere Leidenschaft für Kaffee und der soziale Anspruch lassen sich auf diesem Weg perfekt miteinander verknüpfen. Wir binden Menschen mit einer Behinderung ein und machen sie zu einem wertvollen Glied in der Wertschöpfungskette. Ihre Zufriedenheit und ihre Gewissheit, einen wichtigen Beitrag geleistet zu haben, machen uns bei Barista Royal letztlich ebenso glücklich wie das positive Feedback unserer Kunden.

Fair trade ist unsere Grundlage, höchste Qualität unser Credo

Bei allen Kritikpunkten, die es am Fairtrade-Siegel gibt, möchten wir doch eines klarstellen: Es dient als Grundlage, um ein neues Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln in vielen Ländern zu schaffen. Letztlich wurde damit auch für uns der Weg geebnet, Kaffee anzubieten, der unter gerechten Bedingungen entstanden und aufbereitet wurde. Diesen Weg gehen wir noch ein ganzes Stück weiter und betrachten das Prinzip ganzheitlich – vom ersten bis zum letzten Schritt.

Während es beim Fairtrade-Siegel ausschließlich einen Anspruch an faire Anbaubedingungen gibt, existieren keine weiteren Kriterien bezüglich des Geschmacks oder der Qualität der Kaffeebohnen im Allgemeinen. Rein theoretisch wäre es möglich, dass Bauern Zertifikate erwerben, aber mangelhafte Kaffeebohnen anbieten. Als Mitglied der „Deutschen Röstergilde“ profitieren unsere Röstereien vom direkten Handel mit den Bauern. Die hohe Qualität, faire Arbeitsbedingungen und Einkaufskonditionen sind damit gewährleistet. Zugleich sind wir und unsere Röstmeisterinnen & Röstmeister regelmäßig selbst vor Ort, um mit unseren Partnern im persönlichen Austausch zu sein sowie uns ein Bild von der Leistung zu machen und womöglich neue Kaffeekostbarkeiten zu entdecken.

Wir bieten Kaffee mit Bio-Zertifizierung an, legen uns jedoch nicht grundsätzlich bei allen Sorten darauf fest. Einen Zwang zu diesem Siegel und die damit verbundenen Regularien lehnen wir ab – warum? Das hat den einfachen Grund, dass es den Lebensunterhalt mancher Bauern gefährden würde. Gerade Phänomene wie die klimatischen Veränderungen oder extreme Witterungsverhältnisse erschweren den Anbau teils erheblich. Espressi und Kaffees mit Bio-Siegel verfügen über die entsprechende Kennzeichnung in unserem Shop.